Die Geschichte des Coatings in der Pharmazie reicht bis in die frühen 1950er-Jahre zurück. Damals wurden Tabletten erstmals mit Zucker überzogen, um einen unangenehmen Geschmack zu kaschieren und die Einnahme zu erleichtern. In den folgenden Jahrzehnten rückten zunehmend effizientere und funktionale Beschichtungsverfahren in den Fokus, die nicht nur wirtschaftlicher waren, sondern auch die Wirkstofffreisetzung gezielt beeinflussen konnten.
So entstanden klassische Coatingverfahren auf wässriger Basis oder mit organischen Lösungsmitteln, die bis heute weit verbreitet und kontinuierlich weiterentwickelt werden. Parallel dazu gewinnt das lösungsmittelfreie Coating zunehmend an Bedeutung. Dabei werden Coatingstoffe direkt in trockener Form aufgetragen. Diese innovativen Verfahren gelten als besonders ressourcenschonend, energieeffizient und umweltfreundlich und könnten langfristig klassische Prozesse ablösen.
Das pharmazeutische Coating ist ein vielseitiges Anwendungsfeld. Je nach Zusammensetzung und Aufbau der Beschichtung lässt sich steuern, wann, wo, wie lange und in welcher Menge ein Wirkstoff freigesetzt wird. Dabei können verschiedene Komponenten beschichtet werden – zum Beispiel:
Durch differenzierte Beschichtungen lassen sich magensaftresistente, verzögerte oder ortsspezifische Freisetzungsprofile realisieren.
Das Coating von Tabletten und festen Arzneiformen wird hauptsächlich aus drei Gründen eingesetzt:
Beschichtete Tabletten sind leichter zu identifizieren, angenehmer einzunehmen und besser zu schlucken. Die Coatingschicht maskiert Geschmack und Geruch und verhindert, dass die Tablette Wasser aus der Mundschleimhaut aufnimmt – ein entscheidender Faktor für eine hohe Patientenakzeptanz.
Das Coating schützt den Wirkstoff zuverlässig vor äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit, Sauerstoff, Licht und Magensäure. Gleichzeitig reduziert der Überzug mechanischen Abrieb beim Transport, minimiert Staubbildung und erhöht die Produktsicherheit. Bei Mehrfachwirkstoffen kann eine Beschichtung außerdem unerwünschte chemische Reaktionen verhindern.
Durch den gezielten Einsatz geeigneter Coatingstoffe kann die Wirkstofffreisetzung exakt eingestellt werden – etwa magensaftresistent oder dünndarmlöslich. Zudem schützt die Beschichtung die Magenschleimhaut vor reizenden Wirkstoffen.
Zu den umhüllten festen Arzneiformen zählen insbesondere Dragées. Man unterscheidet zwischen konventionellen Dragées und Schnelldragées.
Bei konventionellen Dragées wird der Tablettenkern mit mehreren Schichten einer Zuckerlösung überzogen, bis das Hüllgewicht dem Kerngewicht entspricht. Diese Methode ist sehr stabil, jedoch zeit- und materialintensiv. Schnelldragées erfordern einen geringeren Zuckerauftrag (ca. 20–50 % des Kerngewichts) und ermöglichen kürzere Herstellungszeiten.
Die Herstellung erfolgt in rotierenden Dragierkesseln oder Wirbelschichtanlagen, die eine gleichmäßige Beschichtung sicherstellen.
Beim Filmcoating wird der Tablettenkern mit einer dünnen Polymerschicht überzogen, die nur etwa 5–15 % des Kerngewichts ausmacht. Anders als bei Dragées bleiben Form und Volumen der Tablette unverändert.
Vorteile des Filmcoatings:
Die Polymerlösung enthält unter anderem Filmbildner, Weichmacher, Antiklebemittel, Deckmittel und Farbstoffe und kann wässrig oder organisch formuliert sein.
Gängige Filmbildner im pharmazeutischen Coating sind:
Funktionell unterscheidet man zwischen:
Coating in weiteren Anwendungsbereichen
Neben der Pharmazie wird Coating auch in der Lebensmittelindustrie und bei technischen Anwendungen eingesetzt. Beschichtet werden u. a.:
Ziele sind unter anderem:
Aktuelle Forschungsansätze konzentrieren sich auf lösungsmittelfreie Coatingverfahren, etwa durch Pulverauftrag mit externer Energiezufuhr oder innovative Matrixsysteme. Ziel ist eine nachhaltige, effiziente und zukunftsfähige Beschichtungstechnologie – sowohl für pharmazeutische als auch für lebensmitteltechnische Anwendungen.
