Anbau/Herstellungsverfahren pflanzlicher Öle

ANBAU DER ÖLPFLANZE

Konventionell

  • Anbau kann mit Pflanzenschutz- und Düngemitteln erfolgen

Bio / kbA / Öko

*kbA = kontrolliert biologischer Anbau

  • Rückverfolgbarkeit des Öls bis zum Ursprung wird garantiert
  •  Überwachung des Anbaus der Saat und der einzelnen Verkäufer durch verschiedene Öko-Siegel mit jährlichen Kontrollen
  • Anbau ist besonders ressourcenschonend und umweltverträglich nach der EU-Öko-Verordnung
  • Beim Anbau dürfen nur von der EU geprüfte und zugelassene Mittel zum Einsatz kommen
  • Eine Verarbeitung des Öls ist mit zugelassenen Mitteln möglich
  •  Begriff laut EU-Vo. 834/2007: Anwendung des Produktionsverfahrens nach den Vorschriften dieser Verordnung auf allen Stufen der Produktion, der Aufbereitung und des Vertriebs
  • Es gelten die Verordnungen 834/2007 und 889/2008 der EU

Anbauverbände

  • Der Anbau darf nur mit den vom Verband zugelassenen Mitteln erfolgen
  • Der Anbau und die Ölgewinnung erfolgen anhand der Richtlinien des Verbandes

HERSTELLUNGSVERFAHREN

CO2-Extraktion

1. Öl wird durch die Extraktion mit Kohlenstoffdioxid gewonnen

2. Saat platzt durch großen Druck und Hitze und nach Wegnahme des Drucks verflüchtigt sich das Kohlenstoffdioxid und das Öl bleibt zurück

Kaltpressung

1. Öl wird durch Pressung ohne äußere Wärmezufuhr gewonnen

2. Gibt keine Auskunft über die bei Pressung erreichte Temperatur

Raffination

1. Öl wird durch die Zugabe von Lösemitteln gewonnen; die Lösemittel werden danach entfernt

2. Fast geruchs- und geschmacksloses Öl

Nativ / Virgin

1. Öl wird ohne Wärmezufuhr durch Pressung gewonnen

2. Öl ist naturbelassen und wird nach der Gewinnung nicht weiter bearbeitet

3. ist nicht identisch mit der Bezeichnung unraffiniert

Nativ Extra / Extra Virgin

1. Öl wird bei maximal 30 °C gepresst und hat einen Anteil an freien Fettsäuren von höchstens 0,8 %  (ist gesetzlich nur für Olivenöl geregelt)

2. keine weitere Bearbeitung nach der Gewinnung

Desodorierung

1. Öl wird nach der Gewinnung mit Wasserdampf behandelt, um nicht erwünschte Substanzen zu entfernen

2. Geschmacks- und Geruchsarme Öle

EINSATZBEREICHE

  • Kosmetik
  • Pharmazeutik (EP, Ph. Eur., USP, BP)
  • Lebensmittel (Food)
  • Futtermittel (Feed)
  • Technik

Ernte

Die Samen oder Früchte werden je nach Pflanzenart und geographischen Lage zu einem bestimmten Zeitpunkt geerntet. Örtlichen Gegebenheiten wie Bodenzusammensetzung, Anbauarten und Sonneneinstrahlung haben einen Einfluss auf die chemische Zusammensetzung der Samen und Früchte.

Die Anbau Art erfolgt entweder konventionell, also mit Pflanzenschutz- und Düngemitteln, oder biologisch. Beim letzteren werden spezielle Kriterien vorausgesetzt: das gewonnene Öl kann bis zum Ursprung rückverfolgt werden. Auch die Weiterverarbeitung des Öls (s.u.) ist nur mit zugelassenen Mitteln möglich. Selbst beim Anbau und der Pflanzenpflege dürfen nur von der EU-geprüfte und zugelassene Mittel zum Einsatz kommen. Die Bauern werden hierbei mit verschiedenen Öko-Siegel in jährlichen Abständen zertifiziert.

Aufbereitung der Samen

Jede Samenart hat eine unterschiedliche Stoffzusammensetzung und muss dementsprechend speziell aufgeschlossen werden. Um eine möglichst hohe Ölausbeute mit gewünschten Eigenschaften zu erhalten, werden die Samen je nach Sorte und gewünschter Öleigenschaft zuerst aufbereitet, um anschließend mit der richtigen Methode verarbeitet zu werden. Hierbei können folgende Schritte nacheinander oder separat voneinander erfolgen: Reinigen; Trocknen; Schälen/ Entrinden; Zerkleinern; Kochen/ Konditionieren; Verarbeitung zu Flocken; weitere Bearbeitungsschritte (siehe Extraktion mit Lösungsmittel und Feuchtpressung). Durch gewisse Verfahrensschritte können jedoch auch unerwünschte Stoffe aus dem Samen mit in das Öl gelangen, weshalb manche Verarbeitungsverfahren nacheinander erfolgen oder zusätzliche Bearbeitungsschritte hinzugefügt werden müssen. Als Ergebnis der Aufbereitung entsteht ein Zwischenprodukt.

Trocknen

Das Trocknen führt zu einer Reduzierung des Wassergehaltes, der in nachfolgenden Prozessschritten zu Problem führen würde. Ist zu viel Wasser im Samen oder Frucht enthalten, so kann es zu einem schnelleren enzymatischen Abbau kommen.

Reinigen

Beim Reinigen erfolgt die Entfernung von fremden Bestandteilen wie beispielsweise Staub oder Wild- oder Unkrautsamen.

Schälen/ Entrinden

Beim Schälen oder Entrinden der Samen wird die äußere Schale entfernt, um den Faseranteil zu reduzieren. Dies kann einerseits nötig sein, um Verunreinigungen im Öl zu reduzieren (Die Schale kann unerwünschte Stoffe enthalten), andererseits um den Proteingehalt im Mahlgut zu erhöhen.

Zerkleinern

Zerkleinern der Samen führt zu einer größeren Oberfläche und einer Erleichterung beim Extrahieren bzw. Auspressen. Zusätzlich werden die Öl Zellen bereits teilweise mechanisch aufgebrochen, was sich ebenfalls positiv auf die nachgelagerten Verfahrensschritte auswirkt.

Kochen/ Konditionieren

Beim Kochen oder Konditionieren werden durch die eingebrachte thermische Energie die Öl Zellen aufgeschlossen und die Viskosität des herausfließenden Öles reduziert. Wird die Temperatur weiter erhöht, so können ab einer gewissen Temperaturschwellen die Samen somit sogar sterilisiert und zusätzlich unerwünschte (thermolabile) Samenbestandteile eliminiert werden. Zu diesen thermolabilen Stoffen gehören auch Proteine, die ab einer gewissen Temperatur irreversibel koagulieren. Falls gewünscht, kann die Wärme ebenfalls dazu eingesetzt werden, um den Wassergehalt einzustellen (s.o. Trocknen).

Verarbeitung zu Flocken

Unter gewissen Umständen kann eine Verarbeitung zu Flocken nötig sein. Dieser Schritt ist dem auf die nachfolgende Verarbeitungsschritte angepasst und ähnelt sehr dem Zerkleinern.

Weitere Bearbeitungsschritte

Siehe Feuchtpressung und Extraktion mit Lösungsmittel.